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Wird aus einem Hobby-Trampler ein Velo-Profi, wenn er die Tour de Suisse live im TV schaut?

Die Energiewende ist in aller Munde. Um ihre hehren Ziele zu erreichen, braucht es die Anstrengungen aller. Das ist klar und glücklicherweise sind wir mehrheitlich guten Willens und bereit unser Scherflein beizutragen. Das ja, ABER das Scherflein muss auch Sinn machen und nicht am Ende mehr kosten als es bringt. Sie fragen sich wovon ich rede?

Von Smart Metering, der neuen angeblichen Wunderwaffe auf dem Weg zur „2000-Watt-Gesellschaft“ (Vgl. auch Tagesschaubeitrag vom 4.8.2013). Eigentlich ist schon die Erwartungshaltung falsch: Denn wir reden hier von einem Stromzähler, der den Verbrauch in Echtzeit misst – direkt senken kann er ihn nicht. Im besten Fall beeinflusst er unser Verhalten, was sich verbrauchssenkend auswirken könnte.
Was könnte man durch dieses Wissen potentiell sparen? Das fragte sich das EWZ (der Energiedienstleister der Stadt Zürich) und machte dazu eine Studie. 1000 interessierte, freiwillige Kunden wurden mit Smart Meters ausgerüstet. Die Installationskosten pro Gerät betragen rund 500 CHF. Über einen Zeitraum von einem Jahr wurde der Stromverbrauch beobachtet und auswertet.

Das ernüchternde Ergebnis: Am Ende des Jahres nutzten nur noch 30 Prozent das Gerät. Die Stromeinsparungen beliefen sich auf durchschnittlich 3.2 Prozent, das sind rund 15 Franken pro Jahr. (Quelle: Studie EWZ und NZZ, 15.7.2013)
Fazit: Ausser Spesen nichts gewesen? Nicht wenn man die EKZ (Elektrizitätswerke des Kantons Zürich) und die EWZ fragt. Die werten die Ergebnisse als Erfolg. Die EKZ will sogar eine flächendeckende Einführung. Halten wir uns nicht mit Erbsenzählen auf indem wir feststellen, dass es bei einer jährlichen Stromersparnis von durchschnittlich 15 Fr. 33 Jahre dauert bis sich der Smart Meter amortisiert hat. Leider werden die meisten Zähler gar nicht so alt, denn wie man auf der EKZ-Website liest, werden sie „nach 15 bis 20 Jahren altersbedingt ersetzt“…

Das Ziel ist klar, es muss Energie gespart werden. Auch in privaten Haushalten. Was können wir also tun?
Neben dem eigentlichen Stromsparen (Infos, Tipps und Tricks finden Sie z.B. unter http://www.hausinfo.ch/) ist auch eine gut verteilte Netzauslastung wichtig. Niedertarife sind hier ein mögliches Instrument. Mit monetären Anreizen wird die Netzauslastung gesteuert. Wer beispielsweise in den Abendstunden wäscht und trocknet wird belohnt. Einfach und effizient.

Effizienz ist ohnehin ein, wenn nicht sogar das zentrale Thema der Energiewende. Ein konsistentes Konzept mit zielführende, effektiven Instrumente und Massnahmen ist gefragt. Wie sind Smart Meters in diesem Zusammenhang zu bewerten?
Smart Meters können den Stromverbrauch aus eigener Kraft nicht senken. Sie dokumentieren ihn in Echtzeit. Sie sind also kein Instrument sondern, im besten Fall eine Dokumentationshilfe für das Stromnutzungsverhalten. Ob und wie die Nutzer auf diese Informationen reagieren ist zumindest unsicher. Die Ergebnisse der EWZ-Studie lassen jedoch derzeit nicht hoffen, dass Aufwand und Nutzen in einem angemessenen Verhältnis stehen. Bei allem positiv-Formulieren und das tut die Studie meisterhaft, kommt man nicht um Sätze wie: „Haushalte mit einer SMA (Smart Metering-Anzeige) haben statistisch nachweisbar weniger Strom verbraucht.“ Wenigstens konnte man es statistisch noch nachweisen! Grössenordnungsmässig kommen auch andere Studien (Baeriswyl et al., Impact Assessment) zu ähnlichen Ergebnissen.

Kleinvieh macht auch Mist. Stimmt, aber es gilt folgendes zu beachten: Gratis sind die Smart Meter nicht. Die Installation schlägt zu Buche und einen erhöhten Eigenstromverbrauch haben sie auch. Wenn man nun noch davon ausgeht, dass die freiwillige Studienteilnahme vor allem am Thema interessierte, motivierte Leute anzog, dann frage ich mich schon, ob die Ergebnisse bei flächendeckender Anwendung immer noch „statistisch nachweisbar“ wären. Denn “potentielles Wissen“ ist eben nicht zwingend “definitives Handeln“.

Wenn der technische Fortschritt die Stromnetze intelligenter werden lässt (Smart Grid), dann wird vielleicht auch den Smart Meters eine grössere Bedeutung zukommen. Doch bis dahin ist es noch ein Weg, auf dem technologisch viel passieren kann. Machen wir etwa den zweiten Schritt vor dem ersten?

Kommentare (1) -

  • Markus Saurer

    08.08.2013 16:03:52 |

    Ja, da gibt es einige Bedenken. Das grosse Spar- bzw. Spitzenbrechungspotenzial(und da geht es um die wirklich wertvollen Einsparungen)liegt in Maschine zu Maschine - Kommunikation zwischen Smart Grid und Smart Home. Das Grid muss dabei Preise stark differenzieren und entsprechende Signale aussenden. Das Smart Home optimiert das Zusammenspiel der Verbrauchsgeräte je nach Preis. In den USA wurde ein Potenzial von minus 30 Prozent bei den Verbrauchsspitzen geortet. Smart Meter ist dabei nicht nötig...

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