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Das Geschäft mit unserer Gesundheit ist krisenresistent

Bildquelle: flickrDas EDI will die Labortarife der Hausärzte senken. Darum heisst's heute: Praxis geschlossen! Die Ärzte streiken. Wie die neusten Zahlen vom Bundesamt für Gesundheit BAG zeigen, sind die Laborkosten 2008 im Vergleich zum Vorjahr um achteinhalb Prozent angestiegen.

Die Gesundheitsbranche generell scheint gegen den aus den USA eingeschleppten Rezessions-Virus resistent zu sein. Wie heisst es doch so schön: Krank werden die Leute immer. Und die mediale Omnipräsenz der gegenwärtigen Krise beschert nicht nur den Spezialisten im Bankensektor Kopfschmerzen.

Die Zahlen der BAG-Statistik zur Kostenentwicklung unseres Gesundheitswesens kennen nur eine Richtung: nach oben. So stiegen die Kosten für die ambulante Spitalbehandlung um rund elf Prozent auf ca. 3,5 Mia. Franken an. Für Medikamente wurden 2008 im Vergleich zu 2007 über vier Prozent mehr ausgegeben.

Geht der Kostenanstieg der ambulanten Spitalbehandlung mit einer Kostenreduktion der stationären Behandlung einher? Leider nein! Die Kosten in diesem Bereich haben um 1.5 Prozent zugenommen.

2008 hat uns Prämienzahler die obligatorische Krankenversicherung über 22 Milliarden Franken gekostet. Für 2010 kündigen die Krankenkassen eine Prämienerhöhung von rund zehn Prozent an. Diese Entwicklung hat ernst zu nehmende Nebenwirkungen auf unser Portemonnaie.

Das Gesundheitswesen gehört zu den Aktionsfeldern des Preisüberwachers. Fast täglich erreichen mich Briefe und E-Mails mit Preisbeschwerden in diesem Bereich. Zum Beispiel die Medikamentenpreise bescheren den Patienten starke Kopfschmerzen. Hier besteht weiterhin Handlungsbedarf. Die Medikamentenpreise sind auch in Zukunft vom Parallelimport ausgenommen. Deshalb ist es ein Gebot der Stunde, den Auslandpreisvergleich bei den Medikamenten so zu gestalten, dass er den fehlenden Importwettbewerb kompensiert. Deshalb müssen in Zukunft auch Tiefpreisländer in den Länderkorb einbezogen werden. Denn ein Parallelimporteur würde sich die Ware ja nicht in einem Hochpreisland besorgen sondern dort, wo die Produkte billiger zu haben sind.

Zudem sollte der Überprüfungs- und Anpassungsrhythmus bei den Medikamentenpreisen deutlich erhöht werden. Heute müssen kassenzulässige Medikamente erst nach Ablauf des Patents bzw. spätestens 15 Jahre nach Aufnahme des Originalpräparats auf die Spezialitätenliste des BAG zwingend überprüft werden. Ziel muss eine Überprüfung mindestens in einem 3-Jahresrhythmus sein. Vorschläge gäbe es noch weitere - zum Beispiel abgabekanalspezifische Logistikmargen.  

Die Medikamentenpreise sind jedoch nur ein Mosaikstein im Bereich der Kosten des Gesundheitswesens. Vordergründig geht es heute um die Labortarife. In der Tat geht die Frage jedoch bedeutend weiter. Zahlreiche Fragen harren noch einer Antwort. Verschiedentlich wird auch der Tarmed thematisiert, wenn es um die Entschädigung der Hausärzte geht. Das wäre wohl ein besserer Ansatzpunkt, um in der Hausarztfrage weiter zu kommen. Und gerade hier wären die Hausärzte gefordert, mit einem Vorschlag zu kommen, der eine Lösung aufzeigt, um das Problem kostenneutral in den Griff zu bekommen.

(Bildquelle: Flickr)

Kommentare (4) -

  • Andreas Graf

    25.05.2009 22:49:24 |

    Kann mir jemand erklären, warum die aktuellen Krankenkassenprämien ausgerechnet in den "günstigen" Kantonen (tiefe Taxpunktwerte) überdurchschnittlich steigen und in den "teuren" Kantonen (mit hohen Taxpunktwerten) nur wenig?

  • Andreas Graf

    25.05.2009 23:10:33 |

    Ich verweise auf das Papier www.bag-anw.admin.ch/.../likjahr2007_de.pdf

    Es ist hier folgendes ersichtlich:
    Die Arztkosten sind indexiert seit 1996 nur um 0.7% gestiegen. Im Jahr 2006 auf 2007 sogar um 0.3% gesunken!
    Die Medikamentenkosten sind indexiert seit 1996 SOGAR um 17% gesunken!
    Die Spitalkosten sind seit 1996 um 16.6% gestiegen.
    Überproportional gestiegen sind die Krankenkassenprämien (http://www.interpharma.ch/de/pdf/_d__GWS_08.pdf). Speziell während dem letzten Börsencrash von 2001-2003. Analoges erleben wir heute wieder. Ein Kommentar erübrigt sich.

    Es macht keinen Sinn mit den aktuell geplanten Massnahmen die Hausarztpraxen weiter auszupressen. Wo nur noch wenig ist, wird nur noch wenig rauszuholen sein. Oder etwas direkter formuliert: diese Massnahmen werden katalytisch den Niedergang der Hausarztmedizin beschleunigen. Medical nurses werden die Hausärzte nur schwerlich ersetzen können. Hierfür bräuchte es pro Hausarzt mindestens 2 medical nurses (je 40 Std/Wo), Nurses, welche bereits heute in den Spitälern fehlen...

    Um das heutige kosteneffiziente Hausarztsystem zu stützen brauchen wir dringend auch die Hilfe des Kostenüberwachers. Denn, was nach den Hausärzten kommen wird, wird teuer werden.

  • Stefan Meierhans

    27.05.2009 17:38:41 |

    @ Andreas Graf

    Seit Bekanntwerden der Prämienexplosion sind die Krankenkassen im Einzelnen und unser Gesundheitssystem im Allgemeinen in aller Munde. Vorschläge, wie das angeschlagene Gesundheitssystem fit getrimmt werden könnte, haben Hochkonjunktur. Einzig passiert ist bis jetzt noch nicht viel.

    Die Zahlen sprechen für sich: So sind gemäss santésuisse die Kosten für Medikamente (Arzt & Apotheke) von 1997 bis 2008 um 94,3% auf insgesamt 4,598 Mia. SFr. angestiegen. Die allgemeine Teuerung beträgt im selben Zeitraum rund 11,4%. Von einer Kostensenkung kann keine Rede sein! Wie lässt sich nun die angebliche Preissenkung beim Landesindex für Konsumentenpreise erklären? Nun, längst eingeführte Medikamente werden tendenziell billiger. Das stimmt. Aber: neue, teure Medikamente fliessen erst gar nicht in den Warenkorb des BFS ein. Ein Missstand, den der Preisüberwacher seit Jahren kritisiert.

    Die Ärztekosten (Grundversicherung) sind zwischen 1997 und 2008 von 3,401 auf 4,966 Mia. SFr. angestiegen. Dies entspricht einer Kostensteigerung von 46%. Die stationären Spitalkosten betrugen 2008 5,309 Mia. SFr. 1997 waren es 3,335 Mia. SFr. Plus 59,2%.

    Die Kostenentwicklung ist alarmierend und alles andere als gesund. Das System muss so ausgelegt sein, dass der Arzt ein finanzielles Interesse an einer raschen Genesung seines Patienten hat. Die Anreizmodelle hierfür bestehen. Das vom Preisüberwacher geforderte Capitation-System (Fallpauschale für Ärzte für die umfassende Betreuung ambulanter Patienten) ist eines davon.

    Beste Grüsse
    Stefan Meierhans

  • Meierhans Stefan

    04.06.2009 11:12:17 |

    @ Andreas Graf

    Gerne beantworte ich auch Ihre erste Frage. Tatsache ist, dass die jüngst angekündigte Prämienexplosion jene Kantone besonders stark trifft, die in den vergangenen Jahren (zu) tiefe Prämien verlangt haben. Umgekehrt fällt die Prämienerhöhung in jenen Kantonen verhältnismässig „moderat“ aus, in denen die Krankenkassen mittels hoher Prämien grosse Reserven anhäuften. Dazu zählen u.a. alle Kantone in der Westschweiz.

    Zwischen den Taxpunktwerten und der Krankenkassenprämie besteht kein Zusammenhang – vielmehr weist über die Hälfte aller Kantone kalkulatorische Reserven unter dem gesetzlich vorgeschriebenem Minimum auf. Das heisst: Die Kassen dieser Kantone (OW, UR, BE, GL, AR, AI, SG, ZG, LU, NW, AG, VS, SZ, GR, SH, SO) verlangten schlicht zu tiefe Prämien. Prämienaufschläge von bis zu 20% sind nun die schmerzhafte Konsequenz.

    Freundliche Grüsse
    Stefan Meierhans

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