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Es ist eben keine gute Idee, die Rechnung ohne den Wirt zu machen

Die Globalisierung bittet nicht um Veränderung, sie erzwingt sie. Geduld hat sie keine und ihre Methoden sind nicht immer schön dafür effizient. Ein „Kind“ der Globalisierung sind Geschäftsmodelle, die darauf aufbauen uns Zugang zu Märkten zu verschaffen, auf denen Produkte angeboten werden, die es im Inland entweder nicht gibt oder die wesentlich günstiger sind als in der Schweiz. So gibt es Unternehmen (z.B. Borderlinx), die Residenzadressen zur Verfügung stellen und die Waren dann an die Heimatadressen ihrer Kunden weiterleiten. Andere Unternehmen (z.B. das deutsche PickPoints) bieten ihren Kunden Lieferadressen mit langen Öffnungszeiten u.a. in Grenznähe, wo der Kunde seine bestellten Waren selbst abholen und importieren kann.  Von Schweizerinnen und Schweizern dürften solche Dienste überdurchschnittlich oft in Anspruch genommen werden. Weshalb? Weil wir immer noch in vielen Gebieten unnötig hohe Preise haben.

Zwei Aspekte erscheinen mir bei diesem Thema zentral:
 
1) Woher rühren die teils eklatanten Preisunterschiede und wie kann man sie reduzieren?
Der wesentlichste Teil der Antwort lautet: Kaufkraftabschöpfung.
Viele internationale Unternehmen setzen ihre Preise nicht kostenbasiert fest, sondern orientieren sich am Preisniveau des Absatzlandes. Das ist in der Schweiz bekanntlich hoch. Möglich wird diese Kaufkraftabschöpfung insbesondere, wenn zahlreiche inländische und ausländische Handelshemmnisse verhindern, dass sich der Wettbewerb und damit seine preisregulierende Wirkung voll entfaltet. Dieser Umstand nützt den oben beschriebenen Unternehmen. Dank ihrer Schützenhilfe werden Parallelimporte im Privaten grossflächiger möglich. In Politik und Wirtschaft bleiben sie bisher ein zähes Thema. Das ist ganz klar ein Nachteil für unser Land. Der Handlungsbedarf ist konkret und wie man sieht, passt sich die Geschwindigkeit der Globalisierung nicht politischen und wirtschaftlichen Wünschen eines Landes an. Hier bewahrheitet sich: „Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben“.

2) Ein zweiter störender Aspekt sind die grossen Unterschiede bei den Zollfreigrenzen.
Bestellt man Ware in Amerika, ist der Fall klar: Abholen kommt eher nicht infrage. Anders ist es bei Bestellungen in den Nachbarländern. Hier macht die Selbstabholung aus der Sicht des Einzelnen unter Umständen durchaus Sinn. Fährt man mit dem Auto in ein Nachbarland, dann darf man Waren im Wert bis 300 Fr. einführen - ohne das Mehrwertsteuer erhoben werden würde. Lässt man sich seine Waren jedoch schicken, dann muss man schon ab einen Warenwert von 62 Fr. (inkl. Porto), das entspricht einem MWSt.-Wert von 5 Fr., bezahlen. Nur Bücher kann man sich bis zu einem Wert von 200 Fr. gebührenfrei schicken lassen, da der MWSt.-Satz hier nur 2.5 Prozent beträgt. Warum Online-Shopper im Vergleich zu Selbstabholern derart benachteiligt werden, erschliesst sich mir nicht wirklich. Deshalb regte ich schon wiederholt an, die Mehrwertsteuerfreigrenze anzuheben: Zum Beispiel auf 10 Fr. bzw. 125 Fr. Warenwert (ausser Bücher, hier wären es 400 Fr.).

Am Ende des Tages heisst unsere grosse Aufgabe: Handelshemmnisse aller Art reduzieren. Das Ziel ist, dem Wettbewerb genügend Raum zu geben, seine Wirkung voll zu entfalten. Unter seiner Regie sind idealtypisch sämtliche Anbieter gezwungen, Währungsvorteile weiterzugeben, Margen im Rahmen zu halten, auf die Kosten zu schauen und Druck auf Gebühren und Abgaben auszuüben.
Patriotischen Bedenken, sind fehl am Platz und sogar kontraproduktiv. Weder unsere Löhne noch die Ladenmieten sind für viel zu hohe Preise hauptverantwortlich. Die wirklich Verantwortlichen sind gleichzeitig die Gewinner solcher Bedenken und sie sitzen in den meisten Fällen jenseits unserer Grenzen.
Also lassen wir uns nicht ins Bockshorn jagen von mehr oder weniger plausibel scheinenden Argumenten, warum die Preise bei uns so hoch sein „müssen“. Erinnern wir uns lieber an die alte Weisheit: Die Klage ist des Kaufmanns´ Gruss!

Bildquelle: MS Office, Cliparts

Kommentare (4) -

  • Markus Saurer

    10.06.2013 21:45:10 |

    Leider belegt der Preisüberwacher hier zum x-ten Mal, dass er in elementarer Preistheorie nicht ausgebildet ist. Kostenbasierte Preise sind in der realen second best Welt (mit Skaleneffekten und Verbundvorteilen u.a.) schlicht ein irrelevantes Konzept. Irrelelant ist dieses Konzept, weil sich in der Mehrproduktefirma die Gesamtkosten gar nicht kausal auf die einzelnen Produkte zuordnen lassen. Nur die inkrementellen Kosten lassen sich kausal zuordnen. Für eine effiziente Allokation der gruppenspezifischen Zusatzkosten (joint costs) und der unternehmensspezifischen Gemeinkosten (common costs) müssen Kriterien des Marktes (v.a. die Preiselastizität der Nachfrage) herhalten. Es geht um eine effiiente Lösung à la Ramsey-Boiteux. Der Preisüberwacher zieht aus irrelevanten theoretischen Referenzen falsche Schlüsse für die realen Verhältnisse. Ich hoffe doch sehr, dass sich die Wissenschaft lieber früher als später endlich einmal den Empfehlungen der Preisüberwachung annimmt.

  • Markus Saurer

    11.06.2013 13:54:56 |

    Schade bin ich da immer der einzige, der was kritisiert...
    Wink

  • S Meierhans

    11.06.2013 15:34:53 |

    @Markus Saurer In aller Kürze: Es freut mich, dass Sie sich meinen Blog immer wieder ansehen. Ich sehe: Sie denken europäisch oder gar global. Das ist ok. Ich bin aber vom Schweizer Steuerzahler angestellt, der von mir verlangt, dass ich seine Wohlfahrt steigere und nicht die gesamteuropäische oder globale. So wehre ich mich dagegen, dass im Ausland riesige Wohlfahrt generiert wird auf Kosten der diskriminierten Schweizer. Da wird zwischen uns wohl eine Differenz bestehen bleiben Smile Beste Grüsse, Stefan Meierhans

  • Markus Saurer

    12.06.2013 03:47:17 |

    Haha. Ja, genau, unsere Meinungsdifferenz wird ebenso nachhaltig Bestand haben wie die Güterpreisdifferenzen zwischen inhomogenen Gebieten. Und ich hoffe schwer, dass ausländische Preisüberwacher (gibt es zwar kaum) und Wettbewerbsbehörden unsere Exportwirtschaft nicht zwingen, ihre Preise für Burkina Faso für sämtliche Staaten der Welt im Sinne einer Meistbegünstigungsklausel anwenden zu müssen. Wäre dem so, dann würden wir rasch verarmen und kämen dafür aber unsererseits aus rein kompetitiven Gründen zu Importpreisen wie sie in Burkina Faso gelten. Blöd ist nur, dass dort selbst diese niedrigen Preise noch für die meisten Konsumenten viel zu hoch sind.

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